Ratgeber · Methodik

GEO-Audit: was geprüft wird, was ein Score bedeutet und was nicht

GEO steht für Generative Engine Optimization: die Frage, ob generative KI-Systeme ein Unternehmen bei Kaufanfragen nennen und ob die Website ihnen dafür verwertbare Signale liefert. Ein GEO-Audit misst beides getrennt. Dieser Text erklärt die Messung am Beispiel von QueryHalo, damit Sie einen Score einordnen können, statt ihm zu glauben.

QueryHalo ist ein einmaliges KI-Sichtbarkeits-Audit: 6 neutrale Kaufanfragen gehen an 3 KI-Modelle (GPT, Claude, Gemini), alle 18 Antworten werden mit den genannten Mitbewerbern dokumentiert. Der Website-Check ist kostenlos; der vollständige Bericht kostet einmalig 29 € (3 Audits 59 €, 10 Audits 149 €), dauert meist 1–3 Minuten und liegt als PDF und JSON vor.

Zwei Messebenen, die man nicht vermischen sollte

Die erste Ebene sind die Modellantworten: Nennen GPT, Claude und Gemini die Firma, wenn man sie neutral nach Anbietern fragt? Das ist die eigentliche KI-Sichtbarkeit. Sie lässt sich nur beobachten, nicht aus der Website ableiten.

Die zweite Ebene ist die Website: Liefert die öffentliche Startseite einem Crawler oder Modell klare, maschinenlesbare und zitierfähige Informationen? Das ist die technische Basis. Sie erklärt oft, warum eine Firma nicht genannt wird, ist aber keine Garantie, dass sie genannt wird.

Ein seriöses Audit weist beide Werte getrennt aus. Wer nur einen Website-Score zeigt, hat KI-Sichtbarkeit nicht gemessen; wer nur Nennungen zählt, kann keine Maßnahmen ableiten.

Wie der Wert für KI-Sichtbarkeit entsteht

QueryHalo bildet aus Angebot, Zielgruppe und Markt sechs neutrale Kauf- und Empfehlungsfragen. Der Firmenname kommt in keiner Frage vor. Dieselben sechs Fragen gehen getrennt an drei Modellfamilien – aktuell GPT 5.6 Luna, Claude Sonnet 5 und Gemini 3.5 Flash Lite über das Vercel AI Gateway. Das ergibt 18 Antworten.

Je Antwort wird erfasst: Wird die Firma genannt (Firmenname oder Domain)? An welcher Position steht sie in der Markenliste des Modells? Welche anderen Marken werden genannt? Die KI-Sichtbarkeit ist der Anteil der 18 Antworten mit Nennung: 4 von 18 Nennungen ergeben 22 %. Zusätzlich wird je Modell ausgewiesen, wie viele der 6 Antworten die Firma nennen, denn 4 Nennungen bei GPT und 0 bei Claude bedeuten etwas anderes als je 1–2 Nennungen überall.

Wie der Website-Score entsteht

Der Website-Check liest das Server-HTML der Startseite – also das, was ein Crawler ohne Ausführen von JavaScript sieht – und bewertet acht Kriterien mit insgesamt 100 Punkten: Seitentitel (14), Meta-Description (12), Hauptüberschrift (12), strukturierte Entitätsdaten in JSON-LD (20), Markenname im sichtbaren Text (12), zitierfähige Fakten (20), Erreichbarkeit der robots.txt (8) und llms.txt (2, optional und immer vergeben).

Die Gewichtung folgt einer einfachen Logik: Am schwersten wiegen die beiden Signale, die KI-Systemen am meisten Halt geben – eine eindeutige, maschinenlesbare Entität und konkrete Zahlen, die sich zitieren lassen. Die Schwellen sind bewusst niedrig: Ein Titel ab 20 Zeichen, eine Description ab 80 Zeichen und vier Fakten mit Einheit genügen für volle Punkte. Der Score misst Grundlagen, nicht Exzellenz. Die genauen Regeln stehen in der technischen Checkliste.

Der Gesamtscore und seine Gewichtung

Gesamtscore = 65 % KI-Sichtbarkeit + 35 % Website-Score. Die beobachtete Sichtbarkeit wiegt mehr, weil sie das Ergebnis ist; die Website ist ein Mittel. Eine Firma mit 22 % Sichtbarkeit und 72 Punkten im Website-Check erhält 0,65 × 22 + 0,35 × 72 = 39,5, gerundet 40.

Einordnung der Gesamtscores, wie sie QueryHalo im Bericht farblich verwendet
GesamtscoreEinordnungTypische Situation
0–34niedrigKaum oder keine Nennungen; oft fehlen auch Entitätsdaten und Fakten auf der Website.
35–69mittelPunktuelle Nennungen in einem oder zwei Modellen; Website-Basis vorhanden, aber lückenhaft.
70–100gutRegelmäßige Nennungen über mehrere Modelle bei solider technischer Basis – bei kleinen Anbietern selten.

Was ein Score bedeutet

  • Er ist eine Momentaufnahme: gemessen an einem Tag, mit den Modellversionen dieses Tages, ohne Live-Websuche.
  • Er ist vergleichbar mit sich selbst: Derselbe Audit mit denselben Eingaben zu einem späteren Zeitpunkt zeigt, ob sich die Antworten verändert haben.
  • Er ist eine Diagnose: Der Unterschied zwischen Sichtbarkeit und Website-Basis sagt, ob das Problem Bekanntheit, Website-Struktur oder beides ist.
  • Er ist belegt: Alle 18 Antworten liegen im Bericht offen, jede Zahl lässt sich nachvollziehen.

Was ein Score ausdrücklich nicht bedeutet

  • Kein Ranking: Es gibt keine Position 1–10 in ChatGPT, die man „erreichen“ könnte. Antworten variieren zwischen Aufrufen.
  • Kein Suchvolumen: Der Audit misst nicht, wie viele Menschen diese Fragen stellen. Wer Promptvolumina ausweist, schätzt.
  • Keine Kausalität: Ein höherer Website-Score führt nicht automatisch zu Nennungen. Große, oft verlinkte Anbieter werden auch mit schwacher Website genannt.
  • Keine Live-Sichtbarkeit: Mit aktivierter Websuche oder in AI Overviews können Antworten anders ausfallen; das ist eine separate Messung.
  • Keine Aussage über Qualität: Nicht genannt zu werden ist bei kleineren Anbietern der Normalfall und kein Urteil über das Angebot.

Wie man mit dem Ergebnis arbeitet

Lesen Sie zuerst das Wettbewerbsbild: Welche Anbieter nennen die Modelle in mehreren Antworten, und mit welcher Begründung? Prüfen Sie dann, ob Ihre Website diese Begründungen überhaupt liefern könnte – Preise, Zielgruppe, Kennzahlen, Vergleiche. Setzen Sie die Maßnahmen aus dem priorisierten Plan um, beginnend mit denen, die wenig Aufwand kosten. Wiederholen Sie den Audit mit identischen Eingaben nach einigen Wochen. Erst der zweite Messpunkt macht aus einem Score eine Aussage über Entwicklung.

Häufige Fragen

Warum 65 zu 35 und nicht 50 zu 50?+

Weil die Nennung das Ergebnis ist und die Website ein Mittel. Eine Firma, die trotz schwacher Website häufig genannt wird, hat ein kleineres Problem als eine mit perfekter Website ohne Nennung. Die Gewichtung ist eine Setzung, keine Naturkonstante; deshalb weist der Bericht beide Werte auch einzeln aus.

Kann ich den Website-Score ohne Kauf sehen?+

Ja. Der Website-Check nach acht Kriterien ist der kostenlose erste Schritt; er verwendet keine KI-Modelle. Die 18 Modellantworten und der Plan sind Teil des bezahlten Berichts ab 29 €.

Warum werden client-gerenderte Seiten unterschätzt?+

Der Check liest Server-HTML. Inhalte, die erst im Browser per JavaScript entstehen, sieht er nicht – ähnlich wie viele Crawler. Wenn Ihre Startseite so gebaut ist, ist der niedrige Score ein Hinweis, serverseitig zu rendern oder zumindest Titel, Description, H1 und JSON-LD im HTML auszuliefern.

Wie unterscheidet sich das von einem SEO-Audit?+

Ein SEO-Audit bewertet Rankings, Crawling, Ladezeit und Backlinks für Suchmaschinen. Ein GEO-Audit beobachtet Empfehlungen generativer Modelle und prüft die Signale, die Modelle für Entitäten und Fakten brauchen. Vieles überschneidet sich; ein gutes SEO-Fundament hilft, ersetzt aber die Beobachtung der Antworten nicht.